Rekonstruktion oder Erneuerung?!

Die von der Stadt bisher angedachte Lösung sieht einen kompletten Ausbau der korrodierten Stahlträger und eine teilweise Demontage der Kappendecke vor. Diese soll durch eine moderne Stahlbetonkonstruktion ersetzt werden. Wir aber fragen uns, was ist eine angemessene denkmalgerechte Sanierung, die den Charme und die Atmosphäre des Turmes erhält. Wir haben uns mit dieser Frage an Herrn Dr. Joachim Kleinmanns gewendet, der über rheinische Aussichtstürme und damit auch den Weyerbuschturm promoviert hat und heute Wissenschaftlicher Mitarbeiter im „Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau“ am Karlsruher Institut für Technologie ist. Hier seine Antwort, die unseren derzeitigen Stand auf den Punkt bringt und die Fragen formuliert, die mit den Denkmalbehörden zu klären sind:

… besten Dank für Ihre Anfrage. Ich freue mich, dass es in Wuppertal eine Initiative zur Wiedernutzbarmachung des Weyerbuschturmes gibt.

Zur Instandsetzung gibt es grundsätzlich zwei Konzepte:

– das additive Verfahren, bei dem eine zusätzliche Konstruktion die Aufgaben der nicht mehr funktionstüchtigen Teile übernimmt. Dieses bewahrt ein Optimum an originaler Substanz, hat aber in der Regel ästhetische Nachteile (wie bei der provisorischen, temporären Sicherung des Turmes ja zu erkennen ist). In dem speziellen Fall des Weyerbuschturmes tritt als zweiter Nachteil die räumliche Enge hinzu, die bei additiven Maßnahmen den Raum zusätzlich einschränkt.

– das subtraktive Verfahren, bei dem die beschädigten Teile ausgebaut und ersetzt werden. Dieses Verfahren hat den Nachteil, dass über die Beschaffenheit der entfernten ursprünglichen Materialien und Konstruktionen das Bauwerk selbst keine Auskunft mehr geben kann. Dennoch würde ich es hier bevorzugen. Eine seriöse Dokumentation vor Ausbau der zu ersetzenden Teile sollte unbedingt erfolgen und auffindbar archiviert werden.

Beim Ersetzen der beschädigten Teile sind wiederum zwei Möglichkeiten vorhanden:

– die Rekonstruktion der vorhandenen Materialien und Konstruktionen, bei der wiederum eine Kappendecke aus Doppel-T-Trägern und Backstein eingebaut wird. Hier wird, trotz des umfangreichen Austausches originaler Substanz, versucht, die Denkmalwerte möglichst umfangreich zu erhalten. Die Anschaulichkeit der ursprünglichen Konstruktion bliebe bewahrt.

– oder eine Erneuerung, bei der moderne Materialien und Konstruktionen verwendet werden, etwa eine Stahlbetondecke. Diese Lösung wird, wie Sie schreiben, von der Stadtverwaltung Wuppertal bevorzugt.

Die Vor- und Nachteile beider Möglichkeiten sollten möglichst vollständig erfasst und gegeneinander abgewogen werden. Dazu zählen natürlich nicht nur die denkmalpflegerischen Aspekte, sondern auch – aber nicht nur – die Kosten. Wichtig wäre etwa die Beantwortung der Frage, wie eine Stahlbetondecke an die vorhandene Konstruktion kraftschlüssig angeschlossen wird, wie viel unbeschädigte originale Bausubstanz dafür geopfert werden muss und ob Folgeschäden ausgeschlossen werden können.

In allererster Linie aber muss geklärt werden, wie es zu den gravierenden Bauschäden kam und wie diese Schadensursachen für die Zukunft vermieden werden können. In erster Linie denke ich da an die Ableitung des Regenwassers.

Bei der Sandsteintreppe ist zu prüfen, ob die hohe Pressung, die zu den Rissen führte, ein abgeschlossener Vorgang ist – etwa die Primärsetzung des Bauwerks – oder ob dieser Vorgang anhält und wodurch er ausgelöst wird.

Eine weitergehende Beratung kann ich von hier aus nicht vornehmen. Ich empfehle, beim LVR-Amt für Denkmalpflege in Pulheim-Brauweiler nach empfehlenswerten Ingenieurbüros zu fragen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

Beste Grüße

Joachim Kleinmanns

 

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